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11 - Martinszug um den 11. November

Der Martinstag am 11. November ist der Gedenktag des Heiligen Martin von Tours. Er ist in Mitteleuropa und somit auch in Kempenich von zahlreichem Brauchtum geprägt. Da Martins Leichnam ursprünglich in einer Lichterprozession mit einem Boot nach Tours überführt wurde, feiert man dieses heute noch mit einem Laternenzug der Kinder. In Engeln findet der Zug in der Regel donnerstags statt, in Kempenich freitags.

Vorbereitung und Ablauf:

Martinsfeuer
Damit St. Martin überhaupt stattfinden kann, ist natürlich viel Vorarbeit notwendig. Zum Glück gibt es immer fleißige und fröhliche Helfer, die Holz für ein großes Martinsfeuer aufbauen, bevor es dann feierlich abgebrannt werden kann. Für den Aufbau des Martinsfeuers war es früher üblich, dass die ganze Schule sich am "Schlääfe", d.h. dem "Herbeischleifen" des notwendigen Brennmaterials beteiligte.

Dazu wurden Äste und dürres Holz von den Schülern aus dem Wald hoch zum Martinsfeuer -  damals noch oberhalb der Steinbrüche - geschleppt. Andere zogen mit Bollerwagen durchs Dorf und forderten mit folgendem Spruch die Bewohner lautstark zum "Beisteuern" auf : " Mir joon steuere - für die Määrtesfeuere. Jitt ohs ön Bonge Strüü - mir verbrennen öch de Läus on de Flüü. Jitt ohs ön aale Hoot - ön neue ös och at joot."

Heutzutage wird das Martinsfeuer auf dem Mathisberg oberhalb des Ortes aufgeschichtet. Viele Jugendliche helfen mit. Hier auf der Baggerschaufel sitzen sie zusammen mit Küster Peter Bell, seit Jahren in Kempenich bei solchen Arbeiten nicht wegzudenkende Hilfe.

Wortgottesdienst
Am Tag der Lichterprozession findet - kurz bevor es dunkel wird - in der katholischen Pfarrkirche ein Wortgottesdienst statt. Seit Jahren ist es Brauch, dass die Grundschulkinder dabei ein Martinsspiel in der Kirche aufführen.

Lichterprozession
Anschließend treffen sich alle Kinder mit selbstgebastelten Laternen, ausgehölten beleuchteten Zuckerrüben oder Fackeln auf der Straße vor der Kirche, wo schon St. Martin auf seinem treuen Pferd auf sie wartet. Begleitet von den Original-Goldbach-Musikanten wandert der St. Martinszug singend durch das Dorf auf den Mathiasberg, wo nun das Martinsfeuer von der Feuerwehr angezündet wird.

Weckmännder und Döppekooche
Wenn alle ordentlich durchgefroren sind, geht es durch das Dorf zurück in die Leyberghalle. Dort freuen sich Groß und Klein schon auf die Martinsweck vom St. Martin und den leckeren Döppekooche von den Möhnen, die es unter musikalischer Begleitung und fröhlichem Beisammensein in der Leyberghalle gibt.

Kemmejer Döppekooche:

- 2 kg mehlige Kartoffeln
- 2 altbackene Brötchen
- Milch
- 1 Zwiebel
- 1 Ei
- 4 grobe Mettwürstchen
- 200 Gramm durchwachsenen Räucherspeck
- Salz, Pfeffer, Muskat

Zubereitung:
Brötchen in Milch einweichen. Kartoffeln und Zwiebel grob reiben. Würste und Speck in Scheiben schneiden. Alle Zutaten vermischen und in einen mit Öl oder Schmalz gut ausgefetteten Eisenbräter geben. Auch die Oberfläche muss mit Öl begossen werden. In den vorgeheizten Backofen schieben, 200 Grad eineinhalb bis zwei Stunden. Die Kruste soll schön gebräunt sein. (Leichte Abwandlungen sind von Haushalt zu Haushalt üblich.)

Martinszug in Engeln

Auch in Engeln gibt es jährlich einen eigenen Martinszug! Damit St. Martin hoch zu Ross durch das Dorf reiten kann, muss  bereits einige Tage vorher gearbeitet werden. Dann gilt es nämlich für die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Engeln das Feuer zu errichten. Auch am Tag des Zugs selber sind die Floriansjünger bei der Absicherung des Zuges gefragt. Aufgaben, die sie stets souverän erledigen und für die Ihnen der Dank der Dorfgemeinschaft gebührt. Neben St. Martin und seinen Begleitern reihen sich dann die Original Goldbach-Musikanten sowie zahlreiche Kinder mit Laternen und Fackeln ausgerüstet zum Zug auf.

Dass die Arbeit der Feuerwehrmänner nicht umsonst war, zeigt sich dann am Feuer: Lodernde Flammen tauchen den Platz in ein helles Licht. Wieder in der Ortsmitte angekommen, warten Martinswecken auf alle Kinder. Besonderes Highlight ist da natürlich die Ausgabe durch St. Martin persönlich. Zum Abschluss kehrte man in die Gaststätte Eifelstube der Familie Haisch ein, um sich die gespendeten Döppekooche sowie das ein oder andere Kaltgetränk schmecken zu lassen.

Ortsvorsteher Jens Schäfer: „Die Freiwillige Feuerwehr, die Original Goldbach-Musikanten, St. Martin mit seinen Begleitern, unsere Wirtin Anja und ihre Familie – alle packen Jahr für Jahr mit an, um auch den Kindern in Engeln einen Martinszug zu bieten. Das ist für einen Ort dieser Größe ja weiß Gott keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso größer ist der Dank an alle Beteiligten!“