Walderlebnistag trotzt Regenwetter

Erfreulich starker Besuch - Programm findet viel Anklang

Wenn eine Veranstaltung trotz schlechten Wetters gut besucht war, sagt das vor allem eines aus: Sie besitzt eine enorm hohe Attraktivität und Anziehungskraft für ihr Publikum. Offensichtlich kann der Walderlebnistag in Kempenich diese Attribute für sich in Anspruch nehmen. Die einzigartige Kombination aus interaktivem Mitmachen, hautnahen Tierbegegnungen und moderner Umweltbildung führte ungeachtet des regenreichen Wetters am vergangenen Sonntag rund 650 Besucher in den Erlebniswald Steinrausch bei Kempenich. Dabei zeigte ein Blick auf die Kennzeichen der in dichten Reihen parkenden Autos sowie Gespräche mit den Besuchern das dieser Event mittlerweile ein überregional bekanntes Markenzeichen im Tourismuskalender der Verbandsgemeinde Brohltal ist.

Spaß, Spiel, Action, neue Fähigkeiten entdecken, Creativ sein auf der einen Seite und Informationen über Themen zu Natur und Umwelt ohne erhobenen Zeigefinger auf der anderen Seite beschreiben in wenigen Worten die große Programmvielfalt des Walderlebnistages, der zum 15. Mal stattfand. Zu den ersten Punkten zählen sicherlich die Bastel- und Malangebote, bei denen Tierfiguren farbig gestaltet werden konnten, fantasievolle Waldtraumfänger und Waldmobiles aus Naturmaterialien entstanden, beim Bogenschießen die eigene Treffsicherheit unter Beweis gestellt wurde oder es gelang ohne Feuerzeug oder Streichholz Feuer zu machen.

Tradition und Moderne verknüpften die Vertreter der Jägerschaft, die erneut mit zahlreichen Beiträgen zum Gelingen beitrugen. Das der Jagdhund seit Jahrtausenden der unverzichtbare vierbeinige Partner des Jägers ist, wurde eindrucksvoll bei verschiedenen Vorführungen demonstriert. Mehrfach kam durch den Hegering Kempenich das Jagdhorn zum Einsatz, das seit dem Mittelalter zur Verständigung und Organisation bei der Jagd eingesetzt wird. Modernste Technik präsentierte dagegen der Verein Wildtierrettung Eifel, der mittels Wärmebilddrohne Rehkitze vor dem Mähtod rettet. Und in der Rollenden Waldschule konnten Präparate von heimischen Wildtieren bestaunt werden.

Spannende Einblicke in seine Arbeit vermittelte der Imkerverein Kempenich, bei dem auch das emsige Treiben der kleinen Honiglieferanten in einer Schaubeute beobachtet werden konnte. Erstmals dabei war der Verein Solidarische Landwirtschaft, der sich für eine biologische Landwirtschaft einsetzt und mit dem Gemüse- und Kräuterraten manches Rätsel aufgab. Tomaten und Gurken wurden auf Anhieb erkannt, aber beim Mangold taten sich die meisten schwer. Ein ganz anderes Bild dann nur wenige Meter weiter, wo Frank Scheuer aus Oberzissen eine große Auswahl an Garten- und Forstgeräten präsentierte. Gleich daneben zeigte Oliver Schulz seine Künste an der Motorsäge, mit der er filigrane Figuren aus Holzblöcken gestaltete. Weniger kunstvoll dafür aber mit viel Feingefühl galt es bei einem Sägewettbewerb Baumscheiben abzusägen, die vom Gewicht her möglichst nahe an eine Musterscheiben herankommen mussten. Dabei bewiesen Pia Schnitzler, Lena-Sopie Waldecker und Finn Schulze-Friling das beste Augenmaß und erhielten als Preis jeweils eine Kettenschnitzerei.

Informationen zum Thema Garten- und Baumpflege sowie Problembaumfällung gab es bei Thomas Wehren, der dabei auf moderne Drohnentechnik setzt um die Situation von allen Seiten und auch oben beurteilen zu können. Bei Revierförster Olaf van de Geest und seiner Kollegin vom Forstamt Ahrweiler erfuhren die erwachsenen Besucher und Besucherinnen etwas über Rettung im Wald aber auch zu den Auswirkungen des Klimawandels für die Waldbewirtschaftung. In diese Richtung gingen auch die Beiträge von Scheurenforst aus Andernach, die private Waldbesitzer beim Umbau ihrer Wälder zu stabilen und zukunftsorientierten Waldbeständen beraten.

Beliebte Programmpunkte bei Kindern sind dagegen immer wieder aufs Neue die Vorlesung von Kinderbuchautorin Jennanine Delleré-Fischer und das Kinderschminken vom DRK Weibern, das auch den Sanitätsdienst übernahm und bis auf eine Wundversorgung durch ein kleines Pflaster ansonsten einen ruhigen Nachmittag hatte.

Heimliche Stars des Walderlebnistages waren sicherlich wieder die Sanften Riessen Balou und Ilvey sowie Emma, ein wirklich handzahmer Uhu. Aufgrund der nassen Wiese wurde der „fliegende Teppich“ mehr zu einer rutschenden Partie, was dem Spaß der kleinen Abenteurer aber keinen Abbruch tat. Und trotz der Regenschauer ließ sich Emma immer wieder gerne auf die Hand oder den Arm setzen, um mit den jungen Gästen für Erinnerungsfotos zu posieren.

Premiere hatte die Entdeckerrallye „Mission Wald“. An verschiedenen Ständen warteten auf die jungen Waldforscher kleine Aufgaben und Herausforderungen, bei denen sie bunte Haselnüsse sammeln und bei zehn Stück gegen einen kleinen Preis eintauschen konnten. Andrea Woiwode, unterstützt von Christina Wolfrum und Christoph Scheuren von Scheurenforst sowie Zaneta Frankenfeld von Waldgold, welche Preise zur Verfügung stellte, hatte diese Idee entwickelt. welche die Kinder über den ganzen Platz führte, so dass quasi alle Bereiche aktiv einbezogen wurden.

Diese Aktion kann man auch als Sinnbild für den ganzen Walderlebnistag nehmen, der nur durchgeführt werden kann, weil sich viele in den Dienst der guten Sache stellen und als Gemeinschaftsprojekt verstehen. Angefangen vom Team des Bauhofs, welches Platz und Umfeld herrichten über Landwirte die ihre Wiesen als Park- und Aktionsflächen zur Verfügung stellen bis hin zu den rund 90 Aktiven, die am Veranstaltungstag selbst im Einsatz sind. Oder Vereinen und Firmen wie dem örtliche Zeltverleih, die das notwendige Equipment zur Verfügung stellen. Und Dank finanzieller Zuwendungen der Dr. Hasse Stiftung und der Bürgerstiftung der VR Bank RheinAhrEifel eG war das gesamte Programm für die Kinder erneut kostenlos.


Jagdhornbläser
Die Jagdhornbläser des Hegeringes Kempenich sind seit vielen Jahren fester Bestandteil des Walderlebnistages.
Die Sanften Riesen Ilvey und Balou
Die Sanften Riesen Ilvey und Balou kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen und lassen sich gerne etwas streicheln.
Wildtierrettung
Die moderne Technik bei der Wildtierrettung mit Drohnen interessierte besonders das junge Publikum.
Besucher
Trotz des regnerischen Wetters hatte die Besucher ihre Freude beim Walderlebnistag in Kempenich.

  • Text: Bruno Jaeger
  • Fotos: Antje Berger