Pfarrkirche Kempenich
![]() | Die Pfarrkirche von Kempenich thront auf einer kleinen Anhöhe inmitten des alten Ortskerns. Ihr ältester Teil, der romanische Westturm, stammt wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert. Ende des 15. Jahrhunderts werden das romanische Langhaus und der Chor niedergelegt und durch neue spätgotische mit Gewölben ersetzt. |
1904 - 1906 erfolgte eine Erweiterung durch den Anbau von zwei
Seitenschiffen, die sich hervorragend an die bestehenden
gotischen Elemente angliedern.
Der Innenraum wird von einer
Gewölbefolge aus Kreuz-, Netz-, Stern- und wiederum Netzgewölbe
überfangen, die auf schlanken achteckigen Pfeilern mit hohen
Sockeln ruhen. Sehr interessant sind die Wappen haltenden
Konsolfiguren im Mittelschiff, die bestimmten Zünften und
Handwerkern zuzuordnen sind. In den Seitenschiffen befinden sich
die Konsolfiguren der zwölf Apostel.
Der neugotische
Hochaltar aus Stein entstand im Zusammenhang des
Erweiterungsbaus. Er wird von einer elffigurigen
Kreuzigungsgruppe bekrönt. In seiner Mitte befindet sich ein
Sakramentenschrein mit reichem Gesprenge in spätgotischer Form,
gerahmt von Reliefbildern. Vor diesem Altar steht ein neuer
sechzehneckiger Altartisch.
| Die beiden, Maria und Josef geweihten, barocken Seitenaltäre wurden 1760 aus dem Koblenzer Dominikanerkloster erworben. Die Kanzel enthält vier Tafelbilder mit Darstellungen der Evangelisten, die einer Mitte des 17. Jahrhunderts von Hans Jakob v. Eltz (+1645) und seiner Gattin M.E.v. Metzenhausen (+1656) gestifteten Kanzel entstammen. Der trommelförmige Taufstein mit dem eingeritzten Rautenmuster datiert wohl aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Unter den Skulpturen des Kirchenraumes verdient besondere Beachtung die um 1350 entstandene Sitzfigur der Madonna mit Kind. In der Kapelle nördlich des Turmes befinden sich zwei bedeutende Grabdenkmäler. Die neugotischen Kreuzwegstationen in den Seitenschiffen entstanden 1907. | ![]() |
Die mit großer künstlerischer Fertigkeit geschaffenen
Kirchenfenster entstanden wohl alle kurz hintereinander im Jahre
1905. 1992 wurde eine neue Pfeifenorgel eingeweiht.
Die
Kempenicher Pfarrkirche stellt unter kultur- und
kunstgeschichtlicher Betrachtung ein bedeutendes Zeugnis dar,
welches in dem Schnell-Kunstführer Nr. 2097 sowie in der
Heimatchronik "Zwischen Hoher Acht und Laacher See" gewürdigt
ist
("Zwischen Hoher Acht
und Laacher See, Aus der Geschichte des
Kempenicher Ländchens"; Herausgeber:
Heimatfreunde Kempenich,
Bezugsquelle: Oliver Schüller,
Tel.: 02655 - 941196, Preis: 25 Euro)
Eine Spurensuche im Jahre
2002
Gedanken zum
Taufbecken
in der
Pfarrkirche "St. Philippus und Jakobus"
Pater Pfarrer Egon Wagner beschreibt die Darstellung des
Taufbeckens in der Kempenicher Pfarrkirche
![]() |
Kommunionkinder der Pfarrei Kempenich gingen auf Spurensuche
in ihrer Pfarrkirche. Schon sehr schnell stießen sie auf
einen sehr wichtigen Gegenstand in der Kirche, der einen
bevorzugten Platz im Altarraum einnimmt, das alte Taufbecken
aus dem 13. Jahrhundert.
Foto: Maria Kittel |
In "Kunstdenkmäler der Rheinprovinz" von Paul Clement wird
über den Taufstein berichtet: "Spätromanischer Taufstein aus Basaltlava. Das
trommelförmige Becken von 80 cm Durchmesser und 55 cm Höhe; die Beckenfläche mit
eingeritzten Rauten, unten Fries von eingerollten Blättern; 1. H. des 13.
Jahrhunderts".
Die Kinder haben zunächst die Beschreibung im Clement
angezweifelt und die "eingerollten Blätter" als Wellen gedeutet. Wenn das so
ist, was wollten dann unsere Vorfahren damit symbolisch ausdrücken? Etwas, was
auf dem Wasser schwimmt! Sollten die Rauten auf einen Korb deuten, der auf dem
Wasser schwimmt? Die Phantasie war beflügelt und es dauerte nicht lange, bis die
Deutung kam: Sollte vielleicht das Körbchen dargestellt sein, in dem der kleine
Moses im Nil zum Tod ausgesetzt wurde?
Ist es nicht ein schönes Bild für
die Taufe? Von der Taufe glauben wir, dass der alte Mensch der Sünde stirbt (im
Untertauchen im Wasser) und der neue Mensch der Gnade lebt, der nach Gott
geschaffen ist, der göttliches Leben empfangen hat (im Wiederauftauchen aus dem
Wasser). Das äußere Zeichen bei der Taufe: das Untertauchen und das
Wiederauftauchen will den Tod und das Leben deuten.
Die Mutter des Mose
will ihr Kind nicht töten, sie setzt es im Wasser des Nil aus und überlässt Gott
die Rettung des Kindes. Ausgerechnet die Tochter des Pharao, des Todfeindes,
findet das Körbchen mit dem schönen Kind und gewinnt es sofort liebt und rettet
damit das kleine namenlose Kind. So bleibt es am Leben. Gott hat noch viel mit
ihm vor. Die Mutter des Kindes hatte seine Schwester Mirjam beauftragt, in der
Nähe zu bleiben und ein Auge auf das Körbchen zu haben. Sie läuft darum sofort
zur Tochter des Pharao und bietet eine Amme an, die sie bei den Hebräerinnen
finden werde. Als das Kind dann entwöhnt war, brachte die Mutter es zur Tochter
des Pharao.
Die Tochter des Pharao gibt dem Kind nun den ägyptischen
Namen "Mose" und deutet den Namen Auch: "Denn ich habe dich aus dem Wasser
gezogen". Für den Namen Mose gibt es auch noch eine andere Deutung. Mose soll
auch "Kind" bedeuten. Auch das wäre eine sehr schöne Deutung bei der Taufe.
Diese Spurensuche sollte für die Gemeinde Folgen haben. Damit man diesen
Taufstein in Zukunft versteht und er nicht wieder ein schlimmes Schicksal
erleiden soll, wie das in der Vergangenheit war, als man nicht mehr wusste, was
dieser eigenartige Stein sagen wollte, und man ihn in eine Mauer eingemauert
hatte als Auffangbecken für die Regenrinne.
Diese Darstellung ist in das
Becken hineingelegt, um dem alten Stein "nicht die Schau zu stehlen". Der
Künstler Josef Welling aus Koblenz-Horchheim tritt auf die Weise bescheiden
zurück; in Ehrfurcht von dem alten Taufstein.
Das Taufbecken hat nun ein
neues inneres Becken aus Bronze erhalten, das die Deutung als Körbchen des Mose
darstellt. Im Becken ist ein Flusslauf gestaltet, an dessen linkem Ufer im
Schilf das Körbchen mit dem schönen Kind sich verfangen hat und gerade von der
Tochter des Pharao aus dem Wasser gezogen wird.
Auf der rechten Seite, zur
Wüste Sinai, der Berg Sinai, an dem Mose als Führer und Befreier seines Volkes
gerade Wasser aus dem Felsen schlägt. Auf dem umlaufenden Band des Beckens ist
die Inschrift zu finden "MOSE: DENN ICH HABE DICH AUS DEM WASSER GEZOGEN", Ex
2,10.
Diese Darstellung ist in das Becken hineingelegt, um dem alten
Stein "nicht die Schau zu stehlen". Der Künstler Josef Welling aus
Koblenz-Horchheim tritt auf die Weise bescheiden zurück; in Ehrfurcht von dem
alten Taufstein.





